Ein akustisches Klavier, das auf Knopfdruck verstummt und nur noch über Kopfhörer klingt: das ist die Idee hinter einem Stumm-System. Die beiden großen Anbieter sind Yamaha mit dem Silent System und Kawai mit AnyTime ATX. Beide lösen dasselbe Problem, gehen es aber technisch unterschiedlich an.
Wer vor der Frage steht, ob Yamaha Silent oder Kawai ATX das richtige ist, entscheidet in Wahrheit zürst über die Marke des Klaviers darunter und erst danach über das Stumm-System. Dieser Artikel zeigt, wie beide Systeme arbeiten, wo die echten Unterschiede liegen und für wen welche Lösung passt.

SH3 und SC3 auf Yamaha-Klavieren, CFX-Klang mit binauralem Kopfhörer-Sound
Ideal für: Wer ein Yamaha-Klavier möchte und im Kopfhörer einen besonders räumlichen, natürlichen Klang sucht.
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ATX4 auf Kawai-Klavieren und -Flügeln, SK-EX-Klangmodul mit Harmonic Imaging
Ideal für: Wer ein Kawai-Klavier oder einen Flügel bevorzugt und Wert auf ein präzises, kontaktloses Sensorsystem legt.
Alle Klaviere - Neu ansehen →01Was ein Stumm-System überhaupt macht
Wichtig vorweg: Ein Stumm-System ist kein Digitalpiano. Es sitzt in einem echten akustischen Klavier mit Saiten, Resonanzboden und Hammermechanik. Im Normalbetrieb spielt das Instrument ganz normal akustisch.
Schaltet man das Stumm-System ein, schiebt sich eine Stopp-Leiste zwischen Hämmer und Saiten. Die Hämmer werden kurz vor der Saite abgefangen, es entsteht also kein akustischer Ton. Gleichzeitig lesen optische Sensoren den Anschlag jeder Taste aus und ein digitales Klangmodul erzeugt den Klavierton, den man über Kopfhörer hört. Das Klavier bleibt jederzeit voll akustisch bespielbar, das Stumm-System kommt nur dazu.
Deshalb steht am Anfang die Marken-Entscheidung: Yamaha Silent gibt es nur ab Werk in Yamaha-Klavieren, Kawai ATX nur in Kawai-Instrumenten. Beides wird im Werk eingebaut, nicht später aufgesteckt.
02Yamaha Silent: SH3 und SC3
Yamaha verbaut je nach Klavier-Klasse zwei Stufen. Das SH3 sitzt in den höherwertigen Modellen wie der YUS-Reihe und der SU-Serie, das SC3 in den Einstiegsmodellen wie dem B1. Beide arbeiten mit einem kontaktlosen optischen Sensorsystem unter den Tasten, das den Anschlag ausliest, ohne das Spielgefühl zu verändern.
Besonderheit bei Yamaha ist das Articulation Sensor System: es interpretiert sehr fein, wie die Hämmer im echten Klavier auf den Anschlag reagieren, von langsamen Tastenbewegungen bis zu schnellen Trillern. Das Klangmodul nutzt Samples des Yamaha-CFX-Konzertflügels und gibt sie über Kopfhörer binaural aus. Dieser binaurale Klang sorgt für ein räumliches Hörerlebnis, als sässe man vor einem echten Flügel, und ist die Stärke des Yamaha-Systems im Kopfhörerbetrieb.


03Kawai ATX: das AnyTime-System
Kawai nennt sein Stumm-System AnyTime, die aktuelle Generation heißt ATX4. Sie steckt etwa im K-200 und K-300 sowie in Flügeln wie dem GL-10. Ältere oder kompaktere Modelle wie das K-15 tragen die Generation ATX3L.
Das Herzstück ist Kawais Integrated Hammer Sensing System mit hochauflösenden, kontaktlosen optischen Sensoren direkt an der Hammermechanik. Bei den Flügeln kommt zusätzlich das GP Touch Muting System hinzu, eine verbesserte Stopp-Leiste, die die Hämmer präzise unmittelbar vor den Saiten anhält. Das Klangmodul setzt auf die SK-EX-Rendering-Engine mit Harmonic Imaging XL, basierend auf dem Shigeru-Kawai-SK-EX-Konzertflügel. Der Charakter gilt als voll und tragfähig.


04Sensorik, Klang und Spielgefühl direkt verglichen
Beide Systeme nutzen heute kontaktlose optische Sensoren, berühren die Mechanik also nicht und verändern das Anschlagsgefühl nicht. Die Stopp-Mechanik fängt in beiden Fällen die Hämmer kurz vor den Saiten ab. Der spürbare Unterschied liegt weniger in der Stummschaltung selbst als im Klang über Kopfhörer und in der Marken-Philosophie.
Yamaha punktet mit binauralem CFX-Klang, der im Kopfhörer besonders räumlich wirkt. Kawai setzt auf die SK-EX-Engine mit einem warmen, vollen Grundton. Welcher Klang gefällt, ist Geschmackssache und lässt sich nur am Instrument selbst entscheiden.
| Merkmal | Yamaha Silent | Kawai ATX |
|---|---|---|
| Systembezeichnung | SH3 / SC3 | ATX4 / ATX3L |
| Gebunden an | Yamaha-Klaviere | Kawai-Klaviere und -Flügel |
| Sensorik | optisch, Articulation Sensor | optisch, Integrated Hammer Sensing |
| Klangquelle | CFX-Sampling, binaural | SK-EX-Engine, Harmonic Imaging XL |
| Stummschaltung | Stopp-Leiste vor den Saiten | Stopp-Leiste, bei Flügeln GP Touch Muting |
05Für wen welches System passt
Die ehrliche Antwort: Die Wahl des Stumm-Systems ist meist die Wahl der Klavier-Marke. Wer ohnehin den Klang und das Spielgefühl eines Yamaha bevorzugt, bekommt mit dem Silent System einen besonders räumlichen Kopfhörer-Sound dazu. Wer den Charakter eines Kawai mag, erhält mit ATX ein präzises Sensorsystem und mit dem GL-10 auch eine Flügel-Option.
Für Mietwohnungen, späte Übungszeiten oder Kinder, die in Ruhe üben sollen, eignen sich beide Systeme gleichermassen gut. Wer ein möglichst günstiges Einstiegs-Silent sucht, findet es im Yamaha B30 mit SC3 oder im kompakten Kawai K-15 mit ATX3L. Mehr zur grundsätzlichen Technik haben wir im Artikel über Silent- und TransAcoustic-Klaviere zusammengefasst; wer ganz ohne Saiten denkt, schaut in unseren Beitrag zu Hybrid-Pianos.


Yamaha Silent oder Kawai ATX ist am Ende selten eine reine Technik-Frage. Beide Systeme machen aus einem akustischen Klavier ein lautloses Übungsinstrument, beide arbeiten mit kontaktlosen optischen Sensoren und einer Stopp-Leiste vor den Saiten. Der Unterschied liegt im Klangcharakter über Kopfhörer und in der Marke des Klaviers darunter. Am besten hängt man sich bei beiden Systemen die Kopfhörer auf und vergleicht den Klang am Instrument.
Häufige Fragen
Ist ein Silent-Klavier dasselbe wie ein Digitalpiano?
Kann ich Yamaha Silent in ein Kawai-Klavier einbauen?
Verändert das Stumm-System das Spielgefühl?
Wie unterscheidet sich der Klang über Kopfhörer?
Gibt es das Stumm-System auch für Flügel?
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